Das Citizen Science eine Million Stecklinge Projekt

Das Citizen Science eine Million Stecklinge Projekt

Viele Million-Trees – Projekte weltweit basieren auf ähnlichen Prinzipien: Sie haben die Wiedereinführung von einheimischen Laubbäumen entlang von Wasserstraßen und in Gemeinden zum Ziel. Sie wollen damit Nahrungsquelle für Wildtiere und Zugvögel bieten und sie somit besser schützen. Sie tragen zur Erhöhung der Artenvielfalt, der Verringerung von Erosion und Abfluss von Wasser und der Verbesserung der Wasser- und Luftqualität bei. Das mildert die Auswirkungen des Klimawandels und schafft ein Bewusstsein für den Wert der Anpflanzung einheimischer Laubhölzer.

Seit etwa 20 Jahren gibt MillionTrees+ Projekte in allen Teilen der Welt. Das Problem, vor dem alle diese Projekte stehen, ist die Verfügbarkeit von geeigneten Pflanzen, Flächen zur Anpflanzung und Aktivisten, die diese Arbeit leisten. Für uns liegt die Lösung für dieses Problem in der Citizen science: einer Methode, bei denen Projekte unter Mithilfe von oder komplett durch interessierte Laien durchgeführt werden und in den air layern genannten Stecklingen.

Air layer erzeugt man mit einem alten Stück Plastikfolie, Moos und einem Messer. Eine Technik aus der Bonsai Bewegung. Bild: Claudius Günther, 2021

Air layern ist eine Methode – und unter Bonsai Spezialisten eine Mode – die mehrere Dinge für alle angenehm verbindet. Setzt man einen air layer an, ist man draußen in der Natur unter Bäumen und anderem Gehölz, ein Gewinn für die Tages- oder Wochenendgestaltung. Man schafft mit wenig Aufwand (das Abmosen eines Stecklings dauert etwa 5 Minuten) Ansätze für neues Leben. Man verbindet dies mit einem Ausflug in die Natur. Die Methode ist wenig invasiv, ein Gehölz opfert nur wenige Zweige, weniger als nach einem regulären Baum- bzw. Heckenschnitt.

Nach dem Setzen der Air layern beginnen die Luftwurzeln zu wachsen, erst bildet sich ein Callus an der Schnittstelle, dann dringen erste Wurzeln durch das die Stecklinge umgebende Moos. Dann sind sie reif, um mit einer Gartenscheere abgenommen und an einen geeigneten Ort verbracht zu werden. Dabei hat ein jedes Gehölz seine eigene Zeit.

Teilnehmer einer Air Layer Bewegung nutzen ihre Smartphones, um die Stelle zu dokumentieren, an der sie einen Air layer angesetzt haben. Sie müssen das Gehölz bestimmen, das sie gelayert haben (hierfür helfen Bestimmungsapps wie Flora incognita). Diese Informationen müssen sie auf einer für sie von uns zur Verfügung gestellte Webseite hochladen, auf der die gelayerten Orte für alle einsehbar sind: wo wann welche Art gelayert wurde und wann man dort wieder erscheinen sollte, um die fertigen Layer abzunehmen und diese einzupflanzen.

Ist man Teil der Air Layer Bewegung ist es wie beim Geo caching. Leute sozialisieren sich, verbinden sich miteinander und bereichern sich und die sie umgebende Natur gegenseitig. Mit einem Blick auf die (von uns zur Verfügung gestellte) Air Layer Karte kann man schnell sehen, an welchem Ort welche Stecklinge reif sind, in die Erde eingebracht zu werden. Also rauf aufs Fahrrad, zu den Stecklingen, kontrollieren, abschneiden und in der Fahrradtasche an den Ort transportieren, an dem man die Stecklinge einpflanzen kann. Einen dafür ausgewiesenen Gewässerrandstreifen, einer Obstbaumwiese oder einen Feldsaum.

Ein erstes Modellprojekt starteten wir im Frühling 2021, um alle Schritte in der Praxis nachvollziehen zu können. Zuerst erprobten wir den Prozess erfolgreich auf der eigenen Fläche. Einen nächsten Schritt taten wir, um öffentliche Orte zu finden, die geeignet wären, für das Abmosen von Stecklingen. Das Kirchspiel in Groitzsch konnten wir hier überzeugen, ihre 6 Kirchfriedhöfe und deren zum Teil sehr altes Gehölz für die air layer Vermehrung zur Verfügung zu stellen. Einen zweiten Schritt taten wir, um Orte zu finden, an denen Stecklinge auch ausgebracht werden können. Die AgrarGmbH in Auligk ist hierfür ein geeigneter Kooperationspartner. Sie weist hierfür Feldsäume, Heckenstandorte und Gewässerrandstreifen aus, die hergerichtet werden, um dem Bürger das Einpflanzen seiner Stecklinge zu ermöglichen.


Ein nächster Schritt in der Zukunft ist das Ausgeben von zertifiziertem geeigneten Saatgut für Gehölze in kleinen Mengen an Privathaushalte. Diese können dann ihre kleinen Eichen, Ulmen oder Buchen in kleinen Töpfen auf der ehimischen Fensterbank individuell vorziehen und diese dann im nächsten Jahr 2022 mit in die Air Layer Bewegung einbringen.

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