Die Santal als Nutzer des Waldes
Im Wald der Shantal

Die Santal als Nutzer des Waldes

29.02.2020

Heute fuhren wir auf zwei Motorrädern eine gewaltige Strecke von etwa 50 Kilometern in eines der wenigen übriggebliebenen Waldstücke des Nordwestens. Hier leben die Santal, die als traditionelle Nutzer des Waldes schon einmal vorgestellt wurden.

Ein riesiger Bambusgarten im Norden des Landes, Bild Claudius Günther

Der Wald in dem sie ihre Siedlungen haben wurde früher von ihnen zum Jagen von Tieren genutzt. Früher gab es hier Tiger und und Wildschweine, Hasen und Schildkröten. Nun sind nur noch einige Nager übrig. Der Wald hingegen wird immer kleiner, obwohl er als Schutzgebiet vom Staat zur Nutzung durch die Santal und andere Anwohner gesperrt ist. Nun holen sie sich Blätter der Bäume in großen Säcken aus dem Wald und benutzen diese als Brennmaterial. Viele Bäume sind Heimat von Termiten, die die Bäume befallen in diese langsam für ihre Zwecke verarbeiten. Im Prinzip hat sich im Wald in den letzten Jahren alles geändert. Früher gab hier keinen Diebstahl, heute werden immer wieder Bäume illegal eingeschlagen, obwohl hier von Gesetzes wegen hohe Strafen drohen. Die Santal können gegen diese professionell vorgehenden Diebe nichts ausrichten. Würden sie diese angehen, würden sie das schnell mit dem Leben bezahlen. Für die Ordnung im Wald sind Ranger zuständig, die einige Stationen im Wald aufgebaut haben, um diesen vor Raub zu schützen.

Landbesitzende Santal, eine Ausnahme, mitten im geschützten Wald, Bild: Claudius Günther

Die Santal leben hier im Wald in drei Dörfern, etwa hundert Haushalte und alle besitzen sie Land. Dies unterscheidet sie von allen anderen Dörfern die wir bisher in der Gegend von Saidpur besucht haben. Ihren Landbesitz halten sie seit 1947 fest in ihren Händen. Früher besass dieses Land ein zamindar, ein von den Briten eingesetzter Landbesitzer, namens Rukini kanto. Als die Briten abzogen und das Land sich in einem qualvollen Prozess zwischen den Hindus und Muslimen in Pakistan und Indien neu ordnete, floh der zamnidar als Hindu aus der Region und überschrieb sein Land vollstädnig an die Santal, die dieses Land für ihn bearbeiteten. Damit änderte sich für sie alles.

Sie wurden hier seit dem 19. Jahrhundert von den Briten in den Wäldern Nordbengalens umgesiedelt, um hier aus Land Ackerfläche zu gestalten. Damals waren sie alle samt Waldbauern in Diensten von Landbesitzern, heute sind sie kleine Landbesitzer und bauen Reis auf ihren Feldern an. Einige von ihnen sind in die Städte abgewandert und arbeiten in den Textilfabriken Dhakas. Dies sind meist Kinder, die Teile ihres Verdienstes auch wieder nach Hause zurück schicken.

Heiratsbeziehungen unterhalten sie nach nahen und fernen Regionen, Dinajpur und Rajshahi. Die Söhne bleiben im Dorf, die Töchter finden Familien in besagten Gegenden. Die meisten der Santal sind hier ihrer Religion, die sie Sunaton nennen, treu geblieben. Nur wenige von ihnen sind Christen geworden.

Bisherige Versuche ihre gute Position in der Region auf politisch zu nutzen, scheiterte an dem Wahlverhalten ihrer Santal Nachbarn. Diese lassen sich an Wahltagen leicht durch Alkohol bestechen und bleiben im Rausch der Wahl fern. Der letzte Versuch ein politisches Amt zu erringen scheiterte an 8 Stimmen. Die Bengalen, die die Santal betrunken machen, nutzen hierfür vor allem den Alkohol, den die Santal selber brauen. Die eine Art von Alkohol nennt sich haria und wird als wohschmeckend und bekömmlich beschrieben und wird aus vergorenem Reis hergestellt. Die andere Art Alkohol juvani wird aus Früchten und Zucker gemacht und scheint so etwas wie ein Obstbrand zu sein.

Die Santal bauen neben dem Reis und Mais alle Arten von Gemüse in ihren Gärten an, auch Bananen Planatagen sind häufig. Bis vor zwei Jahren konnten die Sanatal im nahe gelegenen Bheel Fische fangen, dies wird ihnen nun untersagt.

Die Fische werden von einem Pächter des bheel professionell genutzt. Der Pächter hat dabei stark in das Ökosystem eingegriffen und Sandbänke und Dämme für die Fischproduktion errichtet. Der Wald wird von den Santal nach wie vor auch als Ressource von Wildkräutern genutzt. Ihnen den Wald zu nehmen, bedeutet ihre Kultur zu nehmen. Die Santal in den drei Dörfern im Nationalpark haben den Wald nach wie vor, all die anderen Santal Communities, die wir besuchten nicht mehr, mit den beschriebenen Folgen.

Feldforschungssituation: Santal Vertreter, Journalisten, Zeichner und Ethnologe, Bild: CC

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