Ist kleiner feiner? Stefan Schütte zum Teeanbau in Nordindien

Ländliche Transformation und Produktionsnetzwerke von Tee-Kleinbetrieben in Assam, Indien

Vortrag in Englisch in unserem virtuellen Konferenzraum

Tee Garten, Claudius Günther 2020

Der indische Teeplantagensektor befindet sich in einer tiefen Krise. Signifikante Veränderungen in der Struktur der globalen Wertschöpfungsketten für tropische Rohstoffe haben die indische Teeindustrie verändert, in der die Teeproduktion auf Industrieplantagen heute oft durch den Tee-Anbau durch Kleinbauern ergänzt wird. Vor diesem Hintergrund zielt ein Forschungsprojekt des Zentrums für Entwicklungsforschung der FU Berlin auf eine eingehende und empirisch fundierte Analyse der Produktionsnetzwerke im kleinbäuerlichen Teeanbau in Assam. Ziel ist es, die ausgeprägten Muster der regionalen Agrartransformation zu erforschen, den Wandel lokaler landwirtschaftlicher Praktiken und Agrarbeziehungen sowie deren Auswirkungen auf lokale Konfliktkonstellationen zu untersuchen. Drei Perspektiven leiten das Projekt:

1) Die Untersuchung der kleinbäuerlichen Produktionsnetzwerke im Teeanbausektor als Schlüssel zum besseren Verständnis der regionalen Transformation und des landwirtschaftlichen Wandels.

2) Empirische Grundlagenforschung über soziale Praktiken im kleinbäuerlichen Teeanbau und in der Teeproduktion.

3) Beiträge zur Verknüpfung von Agrarbeziehungen und Friedensgeographien.

Diese Perspektiven ermöglichen eine ganzheitliche Bewertung der Wende der Kleinbauern im Assam-Teeanbau als ein neueres Phänomen. Ein besseres und empirisch fundiertes Verständnis der lokalen Produktionsbeziehungen und ihrer Einbettung in die lokale Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Konflikte verspricht neue Einsichten in die Diskussion über Warenketten und Produktionsnetzwerke und ihre Beziehungen zu Friedensgeographien. Ein solches Verständnis trägt auch dazu bei, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer umfassenden ländlichen Transformation abzuschätzen.

Stefan Schütte ist seit 2008 Assistent am Zentrum für Entwicklungsforschung am Institut für Geographische Wissenschaften der Freien Universität Berlin. Er promovierte in Geographie an der Universität Heidelberg und erwarb einen MA in Geographie und Wirtschaft an der Universität Oldenburg, Deutschland. Er hat insgesamt mehr als sieben Jahre lang Feldforschung in ländlichen und städtischen Gebieten Indiens, Pakistans und Afghanistans durchgeführt, seit 1997 in zahlreichen Besuchen, und beherrscht Dari, Hindi und Urdu. Seine Forschungsschwerpunkte sind die städtische und ländliche Entwicklung, das Management natürlicher Ressourcen und die menschliche Sicherheit.

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