Kolivaner Steine

Kolivaner Steine

Wer eine Geschichte der Koliwaner Steine erzählt, erzählt auch eine Geschichte ihrer Entdeckung, Gewinnung und Verarbeitung. Er erzählt eine Geschichte von Leibeigenschaft, Unternehmertum, Revolution und Sozialistischer Planwirtschaft, von Ruin, Erneuerung und Zukunft. Das Projekt beschäftigt sich daher mit der Veränderung von Landschaft durch Menschen, den Entdeckern und Neusiedlern, den Bergarbeiten und Bauern in der Umgebung der Betriebe. Die Kolivaner Steine sind aber auch Zeugen von Internationalen Netzwerken zwischen Freiberg in Sachsen, St. Petersburg und dem Altai.

Die ersten russischsprachigen Siedler im Altai waren Gruppen von Kosaken, Pelztierjägern sowie auf alte Grabhügel spezialisierte Räuber. Die Kosaken konnten bewaffnete Gruppen von bis zu 200 Personen organisieren. Von ihnen gelangten die Informationen über den Reichtum an Edelsteinen, Edelerzen und Edelmetallen zu den russischen Bergbauindustriellen im Ural. Im Jahre 1726 führten die Ingenieure des Bergbaumagnaten Akinfii Demidov eine Versuchsverhüttung von Kupfererzen im Altai durch.
In den Jahren 1727–1744 wurden Eisenhüttenwerke in Kolyvan, in Barnaul gegründet, dazu kamen die Eröffnung vieler Minen und Bergwerke in Schlangenberg und anderswo. Demidow versetzte seine Leibeigenen in das Werk Kolyvan. Der Staat erlaubte Demidov, Neuankömmlinge und Flüchtlinge für seine Werke im Altai anzusiedeln und drückte ein Auge bei Rückfrage über ihre Herkunft, frühere Beschäftigung usw. zu. Im Jahre 1745 starb Akinfii Demidov.

1745 wurden Demidovs Minen versiegelt, 1747 wurde die Leitung seiner beiden Werke auf Befehl der Kaiserin in das Imperiale Kabinett und damit der Schatzkammer von Sankt Petersburg übergeben. Die Bergbau- und Hüttenbetriebe des Altai waren fortan dem kaiserlichen Kabinett unterstellt, einer Abteilung, die die Einnahmen und Ausgaben der russischen Zaren verwaltete. Ab 1747 wurden die Bauern den Fabriken zugewiesen. Sie zahlten keine Kopfsteuer an den Staat, sondern arbeiteten den Betrag ab, indem sie kleinere Arbeiten verrichteten, wie z. B. Erz schleppen, Holzkohle brennen und transportieren usw.
Kolyvan ist nicht nur bekannt für sein Eisenhüttenwerk, sondern seinen Steinmetzbetrieb, und vor allem für seine vielen Schmucksteinvorkommen. Seit 1802 wurden in der Fabrik aus einheimischen Farbsteinen (Jaspis, Achat, Porphyr, Marmor, Granit, Brekzie usw.) dekorative Produkte für Paläste (Vasen, Kamine, Stehlampen, Säulen) hergestellt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Verarbeitung von Jaspis, Porphyr, Quarzit, Marmor für technische und künstlerische Produkte.

Der Einsatz von Maschinen beschleunigte die Steinbearbeitung um ein Vielfaches im Vergleich zu den Fabriken in Peterhof und Jekaterinburg und erlaubte den Kolyvaner Handwerkern, große Gegenstände aus monolithischen Halbedelsteinen aus nahegelegenen Lagerstätten zu formen.

Das ist bis heute so. Aber auch die lokale Bevölkerung nutzt diese Steine für das Schaffen und verkaufen von Volkskunst. Die Steine, die Steinbrüche verändern Landschaft und Menschen.

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