Manpura II

10.03. 2019

Fischer und Uferbefestigung

Uferbefestigung gegen die Kraft der Fluten des Ganges. Foto: Claudius Günther, 2019

Heute ging es mit einer Tour de force und großer Delegation über die Insel, Hassan Shafie und Parvez sind aus Dhaka mit dem Schiff angekommen und es gab eine erste Exploration zu den Stellen, an denen der Fluss an der Insel nagt. Zuerst waren wir im Norden der Insel, wo der Ganges die Insel quasi um ein Drittel verkleinert hat. Auf den aktuellen Google Maps Karten war auf den Smart Phones vor uns noch Land zu sehen, tatsächlich aber war es weggeschwemmt. Nun versucht man mit Zementblöcken den noch verbliebenen Teil zu retten. Die Zementblöcke werden gleich am Fluss gefertigt, und an die Flusskante gestapelt.

Uferbefestigung aus Beton direkt hergestellt, Foto: Claudius Günther, 2019

Die Leute, die in dieser Gegend leben, haben uns von ihrem Landverlust erzählt. Viele von ihnen sind mehr als einmal umgezogen auf der Flucht vor dem Wasser. 6 oder 11 mal umziehen waren dabei auch keine Seltenheit. Für die Fischer der Insel, die sonst auf Hilscha Fisch gehen (Bangladeshs Nationalfisch quasi) herrscht jetzt Schonzeit. Hier ist es für 3 Monate verboten (Feb. – Mai), diesen Fisch zu fangen. Solange die Fischer warten, arbeiten sie auf Baustellen auf der Insel, helfen auf den Landwirtschaftsflächen zum Tagelohn oder ziehen in andere Städte für drei Monate, um hier Arbeit zu finden. Wenn die Fischsaison beginnt, gehen sie auf die Boote mit neuen Netzen, Boen und allem was man zum Fischen braucht. Die Einkäufer, die den Fischern den Fisch später zu günstigen Preisen abkaufen, geben einen größeren Geldbetrag für das Erneuern der Arbeitsmittel. Das größte Investment ist dabei das Fischnetz, dieses kostet bis zu 80.000 Thaka, etwa 900 Euro. Wenn sie dieses Netz nicht beschädigen, ist der Profit, den sie in einer Saison machen beachtlich. Wenn sie aber irgendwo auf dem Grund hängenbleiben, und hierfür gibt es viele Gründe, und das Netz zerreißen, kostet die Erneuerung eines 30 cm großen Lochs um die 800 Thaka, etwa 9 Euro. Kommt das häufiger vor, verlieren sie einen ganzen Teil ihres Profits an den Fluss. Die Netze für die Fischerei kaufen sie bei einer Firma, die in Comilla ihren Sitz hat. Aus dem Ausland kommen keine günstigeren Netze. Der Platz an dem wir unser Gespräch mit den Fischern führten, ist der Temporäre Fischmarkt, der in der Saison ein brodelnder Ort des Handels ist. Nicht nur einheimische Händler kommen hierher, sondern auch Einkäufer aus dem Ausland.

Der Krishna Tempel von Manpura wurde schon 5 Mal ab und wieder aufgebaut. Nun scheint aber die Odyssee erst einmal zu Ende. Bild: Claudius Günther, 2019

Der Krishna Tempel von Manpura

Nach dem Fischmarkt ging es durch eine dörfliche Landschaft zu einem Hindu Tempel, dem wichtigsten Tempel auf der Insel. Es ist ein Krishna Tempel. Der Brahmane, der hier Dienst verrichtete, war sehr beredsam und teilte uns eine Menge über die lokalen Hinduismus mit. Der Tempel musste in den letzten Jahren vier Mal umziehen, jedes mal auf der Flucht vor dem Wasser in einer anderen Gegend errichtet werden. Neben Krishna huldigt man hier aber auch Shiva und Narayon (Brahma, Shiva avatar, Ram). Die Chakrabothi sind hier die Leiter des Tempel. Unser Brahmane hier war seit dem 9. Lebensjahr für den Tempel verantwortlich (der Titel verbleibt in der Familie). Chakrabothi sind eine Brahmanen Unterkaste, die Pandit Aufgaben übernimmt. Monosha Puja wird einmal im Jahr gemacht. die Frauen Statue für Monosha wird aus Lehm und Bambus gemacht. Die Geschichte von Monosha hat mit Shiva zu tun und ihrer späten Vergöttlichung. Shoni puja, ist eine Ritual, um dem Satan Opfer zu bringen, und ihn milde zu stimmen.

Daneben wird von Hindu Fischern auch Muslimischen Heiligen wie Gadschi Kalu gedacht. So geben Fischer Opfer vom Boot in das Flusswasser. Die Berufsgruppe der Fischer (Boiral) sind Hindus und Muslime.

Das Mazar von Miadschumir Shah

Miaschumir Shah lebte als Derwisch auf der Insel Manpura und wird von Hindus und Muslimen verehrt. Derjenige, der als erstes auf die Insel kommt sollte bei seinem Schrein anhalten und einen Teil des Sandes, der an seinem Heiligengrab liegt, essen. Miajumir Shah hat eigentlich kein Grab, weil keiner weiß, wo er verstarb. Er wird aber auf der Insel für seine Wundertaten (Heilen) verehrt. Er beschützt über die Erde die Menschen auf der Insel (Deshalb nimmt man ein Stück Erde zu sich).

Brücke über den Fluss, Bild: Claudius Günther, 2019

Die Brücke über den Fluss

Es gibt auf der Insel eine ganze Reihe von Dämmen, die in Voraussicht einer Landnahme durch den Fluss aufgeschüttet werden. Manche von ihnen werden als Betondämme in beträchtlicher Höhe errichtet, andere wiederum sind nur 5 Meter hoch und werden mit Bäumen bepflanzt. Diese Bäume werden meist wegen ihrer vielverzweigten Wurzeln bevorzugt. Den Damm, den wir befuhren war einige Kilometer lang und hörte abrupt an einem Fluss auf, der wie alle hier temporär Gezeiten abhängig Wasser führt. Auf der anderen Seite war ein kleiner verlassener Teeladen, der nur öffnet, wenn die Fischer ausfahren oder ankommen. So etwas wie ein Fischerklubhaus. Die Brücke über den Fluss wird erst noch gebaut.

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