Manpura
Manpura fishermen

Manpura

06. und 07.08.2019

Die Insel Manpura ist ein der südlichst gelegenen Inseln im Gangesdelta und profitiert derzeit vom wirtschaftlichen Boom Bangladeschs. Die Insel ist bekannt für ihre Kokosnüsse und ist überzogen mit landwirtschaftlichen Nutzflächen. Ziegen und Zebus grasen an jeder freien Fläche. Neben den meisten Farmen ist ein Teich, der nicht selten zum Baden und Waschen genutzt wird. Zwischen den Teichen erschaffen Dämme eine Infrastruktur, die die Häuser mit Straßen verbinden.

Auf der Insel Manpura kann man verstehen, warum die Bangladeschis ihr Land gern als „darling child of nature“ – als das Lieblingskind der Natur bezeichnen: Verlassene Bauruinen sind im Nu wieder in der Hand der grünen Natur, Wege, die nicht frei gehalten werden, sind bald wieder zugewuchert.

Menschen, die öffentliche Wege und private wie allgemeine Flächen nutzen, daran fehlt es in Bangladesch indes nicht. Ein jeder Flecken wird genutzt, an einigen Küstenstreifen und zwischen den Dörfern wachsen zwar wilde Mangrovenwälder, doch auch diese werden von Blätter sammelnden Frauen und Mädchen für die Hauswirtschaft als Futter genutzt. Das Grün ist üppig, aber es ist angepflanzt, landwirtschaftliches Grün zum Nutzen der Bauern und der Märkte. Die Bauern betreiben eine Subsistenzwirtschaft, bei denen der Überschuss zum Markt gebracht wird. Die Samen haben sie in ihrer Vorratswirtschaft für die nächste Saison gespeichert und nur manchmal kaufen sie auf den Markt hybride Samen, die in ihrer Ausbeute als Besser gelten, als die heimischen Pflanzenarten. Der im Geschmack soll nicht an die ursprünglichen Sorten heranreichen.

Samen werden in bauchigen Tongefässen aufbewahrt, die ein optimales Klima im Innern dieser Tongefässe bieten. Vor einigen Jahren war das Bewusstsein, für die Wichtigkeit der eigenen

Samenhaltung wenig in den Köpfen der Bauern präsent. Viele von ihnen besaßen diese Art der Vorratswirtschaft nicht einmal. Seit das Problem aber bekannt ist, wird auch wieder viel irdene Ware bei Töpfern gekauft. Diese erleben dadurch einen neuen Boom im Absatz ihrer Handwerksprodukte. So schafft ein Umdenken im Umgang mit den eigenen Ressourcen auch wiederum neue nachhaltige Ansätze in der regionalen Wertschöpfung. Die Insel bietet nicht nur Bauern ein Auskommen, sondern auch zahlreichen Fischern, die ihre Boote in Kanälen oder am Inselrand vertäuen und auf die Flut warten, damit diese die Kanäle wieder schiffbar macht. Manpura liegt in dem Gebiet des Gangesdeltas, dass der Gezeiten wegen im sechsstündigen Rhythmus Salzwasser und Süsswasser durch seine Kanäle strömen lässt.

Fischer

Auf unserer ersten Erkundungstour über die Insel sahen wir einige Fischerfamilien, die an ihren Booten oder in der Nähe ihrer Boote zu tun hatten. Sind sie gerade nicht auf den Booten, so

beschäftigen sie sich zu Hause mit ihren Gärten, hier werden Kartoffeln, Senf, Mais, Linsen, Zwiebeln für den Hausgebrauch angebaut, Betelnuss, Bananenstauden und Kokospalmen gibt es auf den meisten Gehöften ebenso.

Abbildung 2: Fischer sind auf Inseln, wie sie der Ganges schafft, immer die ersten, die die
Landnahme wagen. Bild: Claudius Günther, 2019

Fischer warten die Mittagshitze über auf dem Festland. Gefischt wird nur morgens oder abends. Bild Claudius Günther, 2019

Zu einer der Fischergruppen konnten wir, das sind Rubel unser Übersetzer, mein Sohn und ich Kontakt finden. Sie hatten den Fang der Nacht zum Trocknen ausgelegt, ihre Netze auf dem Wasser gelassen, damit sie sie abends wieder (hoffentlich voll) einholen können. So war es gerade die Zwischenzeit des Tages, die sie nutzen, um Siesta zu halten zwischen den Ausfahrten.

Unser Gespräch ergab folgendes: Die Fischer fischen mit Netzen, die sie früh am Morgen in Küstennähe auswerfen und am Nachmittag abend wieder einholen. Manchmal fahren sie auch weiter hinaus und bleiben dann 4 bis 5 Tage auf dem Boot. Der Fisch, den sie fangen, wird entweder gleich am Markt verkauft, eine Tagestour erbringt etwa 20 Euro pro Kopf. Zwischen 40 und 50 Kilogramm Fisch kommen in ihre Netze. Den meisten Teil davon trocknen sie.

Die Fischer haben eine Anzahl von Problemen zu meistern. Beim Aufenthalt auf den Flüssen kommt es vor, dass Stürme am Boot rütteln, das macht ihnen manchmal solche Angst, dass sie

versprechen Opfern zubringen, wenn sie heil wieder nach Hause kommen. Stürme bringen Todesopfer, die Fischer fallen vom Boot und schaffen es dann nicht mehr auf die Boote. Während der Stürme, ist die ganze Familie besorgt. Manchmal kommen die Fischer nicht wieder und die Körper ertrunkener Fischer können nicht mehr gefunden werden.

Das Boot, dass sie nutzen ist so etwa zwischen 10 und 15 Jahren in Benutzung. Dann ist es meist nicht mehr zu gebrauchen. Salzwasser greift die Planken an und muss ständig erneuert werden, auch wenn Teer allentweilen aufgelegt wird. Kleinere Arbeiten erledigen die Fischer an ihren Booten von selbst, wenn sie größere Probleme haben, dann kommen auch Spezialisten zu den Booten wie bei Motorproblemen oder größeren Tischlerarbeiten. Ein jedes Boot fischt mit Lampen, elektrischen zumeist, früher jedoch waren es Kerosinlampen. Dieses Licht dient ihnen und auch den anderen Booten als Warnsignal. Es gehen meist einige Boote gemeinsam auf Fischereitour, da die Netze und die Boen für die Netze so gross sind, das sich nicht aufs Hauptboot passen.

Sie fangen zur Zeit Chori Mach (Messerfisch), Shell Fisch (aus China), Schrimps, Kural Fisch (Axt Fisch), Pangash (Pangasius), Hilsha. Welche Arten sie fangen, hängt von der Netztiefe ab und dem Wetter, in dem sie fischen. Sie benutzen Reusen (current Fisch), aber auch normale Netze. Wenn sie auf See kochen, dann kochen sie Fisch mit mitgebrachten Gemüse, wie zum Beispiel Zwiebeln.

Aki Nur

Aki Nur mit ihren Matten, Manpura 2019, Foto: Claudius Günther

Aki Nur ist eine unser Nachbarinnen in Manpura. Sie macht Matten aus dem Shitul Strauch, Shitul pathi genannt, und kauft ihre Rohmaterialien in Hatyia. Zu Hause hat sie keine Shitul Pathi Strauch Pflanzung angelegt. Sie braucht 100 Thaka (etwa ein Euro) für ein Pon (Bündel aus 80) Shitul Fasern.

Sie flechtet die Matten innerhalb von 4 bis 5 Tagen, wenn sie den Haushalt nicht mitrechnet. Rechnet sie ihn dazu braucht sie mehr Tage, vielleicht 10. Sie macht die Pathi alleine, keiner hilft.

Manchmal hilft ihre Schwiegermutter, die Matten zu machen. Als sie noch unverheiratet in Hatiya wohnte, konnten alle ihre Familienmitglieder diese Matten flechten. Die Shitul Flechten werden getrocknet, gekocht und gefärbt. Eine Matte kostet mindestens 800 Thaka, die größeren kosten 1500 Thaka. Sie macht die Flechtmatten, seit dem sie 7 oder 8 Jahre alt ist. Heute ist sie etwa 21 Jahre alt. Sie lernte die Kunst vor allem jedoch von ihrer Mutter. Ihre Eltern sind schon seit langem in Hatiya, wohnen dort seit Jahren. Sie benutzen viele verschiedene Designs in den Matten, die meisten Designs aber sind aus Hatiya. Die Farbe in der Flechte bleibt bis an den letzten Tag erhalten, selbst wenn sie kaputt gehen. Die Färbung dauert jedoch nur eine bis anderthalb Stunden in kalten Wasser. Sie machen einige die Designs nach ihren eigenen Vorgaben, schauen nicht im Netz nach oder benutzen irgendwelche Bücher dafür. Der Shitul Strauch wächst nur selten in Manpura, die meisten dieser Pflanzen sind Hatiya zu finden. Sie verkaufen ihre Matten nicht in Hatiya sondern nur in Manpura. Manchmal machen sie Matten als Geschenke für die Nachbarn, manchmal als Ware zum Verkauf. Sie brauchen die Matten vor allem für die Hochzeitszeremonie als Aussteuer ihrer Töchter.

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