Munshigonge
Uferbefestigung vor Ort erstellen

Munshigonge

Nach ein paar Tagen und Zwischenstopps an Orten, die einer Beschreibung nicht bedürfen sind wir in Munshigonge angekommen, an der Grenze zwischen Indien und Bangladesh. Hier im Südenwesten Bangladeschs teilen sich Indien und Bangladesch die Sundarban, den Mangrovenwald, der vor den bewohnten Küsten liegt und der unter besonderen Schutz steht. Die NGO Barcik (Bangladesh research center for indigenious knowledge) hatte sich heute unserer angenommen und uns einen ganzen Tag durch die Gegend geführt. Im Zentrum standen hier Gemeinschaften, die vom Wald als Grundlage leben (forrest dependent people). Dabei waren wir in einem Mawali Dorf, einer Community von landlosen Sturmopfern, bei der Samenbank von Arjuna Khanum, beim Head Office von Barcik, in einer Hindu Community von mattenflechtenden Frauen. Dazu fuhren wir jedesmal über die Fläche, die Ayla 2009 kahl rasiert hinterließ und die heute fast ausschließlich von Schrimp Zuchten bevölkert ist.

Shrimp production replaced agriculture with sweet waters, Picture Claudius Günther, 2019

Mawali Dorf

Mawali ist die Bezeichnung einer Bevölkerungsgruppe, die den Wald als Haupteinnahmequelle nutzen. Diese sammeln vor allem Honig in den Sundarban, welchen sie zu recht hohen Preisen an die Bevölkerung in den Städten verkaufen können. Um in die Sundarban zu kommen, müssen sie Sondergenehmigungen einholen. Insgesamt bekommen sie 2 Monate im Jahr bewilligt. Wenn sie in das Gebiet hineinfahren, bleiben sie etwa 15 Tage dort drinnen. Sie fahren in Gruppen von bis zu 11 Mann in die Wälder, schlafen auf ihren Booten und gehen die Stellen ab, an denen sie erfahrungsgemäß gut Honig finden. Zum Honigsammeln benutzen sie Masken und Handschuhe. Sie sammeln dabei ganze Waben ab und Pressen diese aus, um Honig und Wachs voneinander zu trennen.

In the Mawali village people rest 10 of 12 month or are looking for day labour. Picture Claudius Günther, 2019

Auf ihren Fahrten in den Wald waren früher die bengalischen Tiger ein großes Problem. Diese attackierten auch den Vater unseres Gesprächspartners, als dieser ein Junge von elf Jahren war. Heute ist es ein alter Mann, hat Enkel und redet von Veränderungen der letzten Jahre. Das größte Problem dabei sind Räuber und Piraten, die sich ganzjährig in den Sundarban versteckt halten und die Schutzgelder von den Mawali erpressen. Ungeheure Summen von 4000 Rupien pro Mann (etwa 40 Euro) werden berichtet – manchmal kommen mehr als nur eine Piratengruppe und nehmen die Mawali aus. Wehren können sich diese nicht, dazu sind die Piraten zu gut ausgerüstet. Tiger werden nicht mehr als Problem wahrgenommen. Viel mehr sind es heute Piraten. Die Frauen und Kinder der Mawali bleiben zu Hause. Von den Jungen gehen die ersten auf Sammeltouren, wenn sie 12 sind. Dabei kommt es ganz auf die Familie an, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder in den Wald mitgehen lassen. Von der Familie unseres Gesprächspartners, die zwei Jungen haben, ging ein Kind zur Schule, das andere mit in die Sundarban.

Wenn die Männer unterwegs sind, beten die die Frauen für ihre Männer. Um die Wirkung ihrer Gebete zu steigern, verzichten sie auf Essen, waschen und kämmen sich ihre Haare nicht, unterlassen auch alle andere Körperpflege und gehen abends nicht mehr raus. Kommt einer der Männer nicht mehr von einer Tour zurück, ergeht es der Frau schlecht. Sie verliert ihren Beistand und findet kaum einen neuen in der erweiterten Familie. Mehr noch, manchmal wird sie von ihrem Grund vertrieben, weil sie keinen Schutz mehr genießt. Häufig werden dann die Frauen zu armen landlosen Tagelöhnern, die sogar mit dem Schimpfnamen Opoja (Übeltäterin) belegt werden, da ihnen die Schuld am Unglück ihrer Männer gegeben wird.

Früher gingen die Frauen, deren Männer in den Wäldern unterwegs sind, keiner eigenen Erwerbstätigkeit nach. Heute haben die Frauen ein zusätzliches Einkommen in NGO geförderter Arbeit. Diese besteht aus Handarbeit, die dann auf Märkten an Ständen vermarktet werden, die von den NGOs zur Verfügung gestellt werden. Diese sind bis hin nach Dhaka zu verschiedenen Anlässen zu finden, dem Frauentag zum Beispiel und verschiedenen anderen Festtagen. Angeboten werden hier vor allem Papierblumen in Recyclingvasen (Plastikflaschen), Pappmaschee und gestrickte Kinderspielzeuge. Als wir gerade die Hütte verlassen, die die Frauen als ihr NGO Zentrum umgebaut haben, finden wir Säcke voll mit Plastikboxen zur Schrimpskultivierung. Von dieser Arbeit war im Interview kein einziges Wort zu hören. Wer also die Schrimpskultivierung verteufeln will, vergisst, wie weit verflochten diese Tätigkeit in der Munshigonger Bevölkerung ist. Auch unter den ärmsten der Armen.

Eine Community von landlosen Sturmopfern

2009 fegte ein Sturm über das Gebiet von Munshigong hinweg und hinterließ ein Bild der Verwüstung. Kein Baum, keine Hütte, kein Strauch blieb an seinem Platz. Wüstungen dieser Art sind heute noch im Gebiet zu erkennen, aber das hat einen anderen Grund.

Obdachlosenhilfe mit Eigentumsrechten, Bild: Claudius Günther 2019

Mit dem Wind kam das Salzwasser aus dem Ozean auf die Landwirtschaftsflächen und machte diese unfruchtbar. Wenn Salzwasser auf ertragreiche Böden gelangt, dauert es meist zwei Regenzeiten, in denen sich der Boden von seinem Salzwasser befreien kann.

Dieser wird auf den Überschwemmungsflächen ohne besondere Kanäle mit neuer Kraft der Flüsse versorgt, ungesalzener Lehm hilft dem Boden, sich zu regenerieren.

Die Community, die wir besuchten, verlor alles und bekam Schutzhütten in einer Art Hofanlage zur Verfügung gestellt. Diese waren aus Wellblech gebaut. Heute sind die Wellbleche durch das immer wieder kommende Salzwasser arg zerfressen und bieten kaum mehr Schutz vor auf dem Boden fleuchenden Getier. Was die NGO Barcik aber vor allem machte, ist zu helfen, die Böden zu entsalzen. Sie installierten eine Regenwasseraufbereitungsanlage und gaben jedem eine kleine Fläche für den Gartenbau. Hier wird auf kleinen Parzellen mit neuen Gemüsearten experimentiert und sogar ein Schwein zur Mast in einem kleinen Käfig gehalten. Da die Gemeinschaft aus Hindus besteht, ist die Schweinehaltung hier kein Problem. Bei einigen Ritualen sind Schweine Opfertiere. Die Community lebt jetzt seit zehn Jahren auf dem ihm zum Eigentum übergebenem Land. Früher wohnten sie in entfernten Ecken des Überflutungslandes. Sie wurden hier erst vereint durch ihre Landlosigkeit in dieser Maßnahme zusammen gesiedelt. Barcik verhinderte so, das die Munda auf der Suche nach einem besseren Leben das Land verlassen.

Einige gingen über die Grenze nach Indien, andere ließen sich durch Landkauf in einer anderen Gegend nieder. Geblieben sind die, die nichts haben. Unter ihnen alleinstehende Frauen, die ihre Männer im Sturm verloren haben.

Die Samenbank von Arjuna Khanum

Drei Jahre nach dem Ayla über die Insel gefegt war, gründete Arjuna 2013 einen Verein von Landfrauen zur Verbesserung ihrer Lebensumstände. Hauptziel war eine Verbesserung des Gartenbaus. Mit neun verschiedene Samen fing sie an, eine Samenbank aufzubauen. Durch ihre Überzeugungsarbeit konnte sie schnell Mitstreiterinnen finden, die in den Verein eintraten und eigene Samen beisteuerten. Es waren bald 40, dann 60 nun über 100 verschiedene Samen, die im Gartenbau und in der Hausmedizin gebraucht werden. In kleinen Versuchsflächen werden Samenpflanzen vermehrt und in die Samenbank eingepflegt. Die Mitglieder des Vereins haben freien Zugriff auf die Samen und können sie eintauschen. Dabei ist der Samenvermehrung nicht wie in Deutschland auf den Eigengebrauch beschränkt, sondern wird auch auf den Märkten als Saatgut angeboten.

Samenbank von Arjuna Khanum, Photo: Claudius Günther, 2019

Seit zehn Jahren führt sie nun ihre Samenbank und wurde damit 2018 als Preisträgerin von der Präsidentin des Landes für ihr Engagement beehrt.

Head Office von Barcik

Barcik ist eine Organisation, die einen sehr guten Eindruck macht. Sie kümmert sich um die Rückgewinnung von versalzenen Flächen, kauft diese auf, um sie nicht der Schrimpskultivierung zu überantworten, sondern um diese Flächen zu entsalzen und eine Lebensgrundlage in Agrarwirtschaft und Gartenbau für die einheimische Bevölkerung zu ermöglichen. Weitere wichtige Anliegen sind die zur Verfügungsstellung von Wasseraufbereitern, Regenwasserauffanganlagen und die Verteilung von Flächen zum Gartenbau. Dazu betreiben sie Samenbanken, erstellen Herbarien für einheimische Nutzpflanzen und versuchen Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung für kleinteiligen Gartenbau und Landwirtschaft zu leisten. In einem sehr angenehmen Wohnhaus in der Hauptstadt des Upozilla ist ihre Zentrale, hier stellen sie Bücher und Broschüren in großer Zahl zur verfügung.

Hindu Community und mattenflechtende Frauen

Einen kleinen Abstecher machten wir noch auf den Wohnhof eines Mitarbeiters von Barcik. Dieser wohnt auf einem Hof einer Hindu Community, die allesamt in traditionellen Hütten aus Lehmstroh wohnen.

Lehm Architektur im gemischten Stil. Photo: Claudius Günther, 2019

Grundlage der Wände dieser Lehmhäuser sind Bambusgerüste, die ausgefüllt sind mit Bambusgeflechten, die eine innere Festigkeit gewährleisten. An die Geflechte wird Lehm geworfen, der mit Kuhdung angereichert wird und den Spelzen von Reis. Will man ein Windloch lassen, spart man einfach eine Fensterfläche in der Mauer aus. Diese hat dann gleich ihren natürlichen Wind- und Sonnenschutz. Die Frauen, die Dattelpalmenmatten flechten, fertigen erst einmal einen Schal aus eine Dattelpalmen, der aufgrund der Länge der Dattelpalmblätter wird eine natürliche Breite von etwa 20 Zentimetern erreicht. Diesen Dattelpalmenschal kann man dann unendlich lang ansetzen. Meist jedoch werden nicht mehr als 2 Meter Länge geflochten. Diese Schale werden dann ineinander gesetzt, so dass eine Dattelpalmenmatte mehrere Schale als Grundteile und damit mehrere Nähte als Grundeinteilung zu finden sind. In die Schals werden die verschiedensten Muster eingewoben. Das wird durch das verschiedene Ansetzen von Blattober- und -unterflächen erreicht.

Schrimps Zucht

Als der Orkan Ayla über den Sundarban wütete und im März 2009 das Festland erreichte blieb nicht mehr viel übrig. Jahrzehnte alte Bäume wurden umgeworfen, die Landbevölkerung verlor ihre Hütten und eine riesige Fläche wurde mit Salzwasser bedeckt. Diese Salzwasserflächen waren für viele unbrauchbar geworden und einige findige Geschäftsmänner fanden sich schnell Wege, der mittellosen Bevölkerung die versalzenen Flächen abzukaufen. Die Presse, die außerhalb von Bangladesch über dieses Phänomen berichtet, feiert nicht selten die Schrimpszucht als Graswurzelbewegung, als einer Möglichkeit, den Unbillen der Sturm- und Klimawandelschäden ein Gegengewicht entgegen zu setzen. (Der Begriff Schrimpszucht wird hier als Containerwort für die verschiedensten Garnelen- und Krabbenarten benutzt, einige von ihnen Süßwasser- einige Salzwasserarten.)

Die Fläche, die Ayla 2009 hinterließ, ist heute fast ausschließlich von Schrimp Zuchten bevölkert. Und das ist nicht ganz unproblematisch, da bestimmte Schrimps arten, vor allem aber Krabben Salzwasser benötigen. Dieses war zwar in den Jahren 2009 und 2010 in ausreichendem Maße vorhanden, doch zwei Regenzeiten reichen aus, um das Land wieder in geeignete Agrarflächen umzuwandeln. Also baute man in die Dämme Schleusen ein, damit auch weiterhin Salzwasser durch die Gezeitenströme auf die Zuchtflächen gelangt. Man merkt schon an diesem Beispiel, Schrimpszucht ist nicht ganz billig. Um eine solche Schrimpszucht aufzubauen, braucht es eine Menge Investitionen. Man braucht Kühlhäuser, um die Schrimps haltbar zu machen und in alle Landesteile verschiffen zu können. Man braucht Zuchtboxen, die aus schwarzer Plastik hergestellt werden und die schwimmend auf Plastikgestellen die Schrimps heran wachsen lassen, und man muss die Schrimps als Zuchtkulturen aus den Salzwasser tragenden Flüssen mit Netzen heraus filtern. Diese „Embryonen“ werden von den Fischern für einige Cent das Stück auf den Märkten in Plastiktüten verkauft und gelangen so auf die Salzwasserteiche. Die ganze Angelegenheit ist nichts für verarmte Bauern, die ihre Flächen einfach zur Schrimpszucht umbauen könnten. Nichts desto trotz, kann man feststellen, das viele im Delta sich mit der Schrimpszucht beschäftigen und sich hier vielverzweigte Abhängigkeiten gebildet haben. Wie kann das sein? Treibender Faktor ist das Gesetz des Kapitalismus, nachdem nur Wachstum Wohlstand sichert. Dieses Wachstum braucht Flächen, die Salzwasser aufnehmen. Dieses Salzwasser aber ist schädlich für fast alle Agrarpflanzen. Auch für andere Bäume und Sträucher. Einzig die Palmen, Dattel, Kokos und Jackfruit Palmen vertragen das Salzwasser und können es sogar (wie bei der Kokosmilch) in süßes Wasser umwandeln.

2009 war die Keimzelle für dieses Salzwasser im vom Süßwasser bestimmten Anbaugebiet von Munshigonge durch den Sturm Ayla geboren. Dämme wurden errichtet, damit das Salzwasser blieb wo es ist, und zusätzliche Zuflüsse angelegt, um neues Salzwasser zuführen zu können. Um weitere Flächen zu gewinnen, ließen gewissenlose Geschäftsmänner Schlägertruppen ausschicken, um verkaufsunwilligen Bauern Land abzupressen. Wollten diese immer noch nicht verkaufen, überflutete man kurzerhand deren Land durch Dammbruch in den Salzwasserteichen. Ein riesiges Gebiet von Monokultur entstand, ähnlich den in Ostdeutschland bekannten riesigen Monokultur-Agrarflächen. Der Schrimpsmarkt wächst weiterhin. Das bengalische Essen hat sich mittlerweile sehr an die Schrimps gewöhnt und verlangt nach immer mehr dieser relativ teuren Meerestiere. Kein Essen, das wir in den letzten Tagen auf den Tisch bekamen, war ohne Schrimps. Es hat mittlerweile das sonst sehr beliebte Hühnerfleisch vom Platz eins der Bengalischen Lieblingsessen verdrängt.

Die Schrimpsflächen führten auch zu einer drastischen Landschaftsänderung. Ist Bangladesch in fast allen Landesteilen von satten Grün begrünt und von gedeihender landwirtschaftlicher Kleinteiligkeit bestimmt, so bestimmt hier in Munshigong die Farbe des Salzes und der ausgemergelten Böden das Landschaftsbild. Diese Änderung von Landschaft durch Salzwassereintrag ist bisher von mir kaum so drastisch wahrgenommen worden, wie hier in Munshigonge. Wie gibt man nun solche Landschaftsänderung im Bild wieder? Eine öde Landschaft wirkt nur Öde durch die Gewöhnung des menschlichen Auges an sattes Grün. Diese Zurückdrängung des satten Grüns durch das weiße Salz erzeugt eine Leere, die kaum wiederzugeben ist. Claudius versucht sich in Farb- und Bilderstudien an dieser Kontrastlandschaft. Malerisch wie menschlich bleibt eine Herausforderung.

Sundarban

Die Sundarban sind eigentlich nichts anderes als ein Waldgebiet aus Mangroven und vielen anderen Bäumen, die vor dem Zugriff der Menschen geschützt werden. Die Originalität des Territoriums ergibt sich erst aus der bengalischen Perspektive, das Delta in den letzten 200 Jahren vollständig zu einem Agrarprodukte produzierendem Territorium gemacht zu haben. Kein Quadratzentimeter

des gesamten Landes entzieht sich der Kontrolle der Menschen in Bangladesch. Auch wenn es so aussieht, als gebe es zwischen den einzelnen Siedlungen (para) einzelne freie wilde Landschaften, so sind auch das kontrollierte Wald- und Forstgebiete. Das Versprechen des Ursprünglichen löst der Sundarban ein. Dazu muss er vor dem Übergriff von Menschen geschützt werden. Die Menschen aber vor die er geschützt werden muss, sind die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, die Munda, die früher Bawali – Waldläufer waren und Feuerholz geschlagen haben, die Mawali, die heute im Jahr für zwei Monate in die Sundarban gehen, um hier wilden Honig zu suchen. Die Leute, die sich es leisten können, chartern Boote, holen sich Hilfsarbeiter und Polizeischutz und fahren mit mehreren Booten in die Sundarban, um Palmblätter sammeln zu lassen, um diese später auf dem Baumarkt als Bedachung oder als Zaunmaterial zu verkaufen.

Sie schützen sich mit eigenen Waffen und manchmal auch Schutzgeldzahlungen gegen die überall in den Sundarban marodierenden Piraten. Diese überfallen Waldläufer und Honigsammler, um ihnen Schutzgeld zu erpressen. sie auszurauben und nicht selten auch zu töten. Sie überfallen Fischer und pressen ihnen Lebensmittel und Geld und sie werden von lokalen Potentaten gebucht, damit diese ihre Widersacher überfallen oder erpressen.

Munda Community Von dem Zyklon Ayla wurde auch zahlreiche Mitglieder einer eingeborenen Community getroffen, denen dann später kostenlos Land zur Verfügung gestellt wurde, das sie heute für den Gartenbau nutzen. Eigentlich sind sie Leute des Waldes (forest dependent people) die bis vor einigen Jahren aus den Sundarban gelebt haben. Sie sind sogenannte Bawali, Waldläufer. Sie lebten vom Wald als Zulieferer von Feuerholz für die Bengalische Bevölkerung. Seit dem der Wald aber unter Naturschutz steht, wird ihnen das Entnehmen von Feuerholz nicht mehr erlaubt. Sie bekommen anders als die Honigsammler (Mawali) keine Konzession mehr vom Staat für den Waldbesuch. Das die Munda Waldleute sind, merkt man aber auch heute. Sie sammeln zwischen den angepflanzten Sträuchern der Dämme ihr Feuerholz, kehren das Laub zusammen und verkaufen es in großen Säcken als Futter für die Bauern. Sie sammeln aber auch Krabben in den Teichen und Shrimps in den dazugehörigen Salzwasserbecken. Einige Männer fahren Rikscha oder arbeiten als Gärtner, als Bauarbeiter oder Tagelöhner in der Gegend. Ungewöhnlich ist die starke Rolle der Frau in ihrer Community. Sie waren bei allen unseren Unterhaltungen dabei. Sie führten das Gespräch mit, auch wenn uns gegenüber einer der Männer die sogenannte Sprecherrolle inne hatte.

Die Munda sind eine Gruppe mit eigener Sprache (Shantri), kommen eigentlich aus Raji Indien und haben einen an den Hinduismus angelehnten Glauben. Anders aber als bei den Hindus, die einen Brahmanen als Ritualisten brauchen, erledigen die Munda ihre Rituale selber. Sie beten dabei Hindugötter an, in ihren Tempeln stehen Monosha, Bonbibi, Sarasati (weiße Gans), Kattik (Pfau) und Ganesh (Ratte). Die Rituale bleiben aber in ihren Familien, die ältesten Männer der Familie übernehmen die Aufgabe eines Priesters. Die meisten Munda heiraten in ihren Communities, wobei Heiraten vermittelt werden. Wir eine Heirat anberaumt, so kaufen beide Familien (Braut und Bräutigam) einen weißen Hahn und eine Roten. Die Hähne spielen die Rolle von Schutzmeistern, ihre Farbe findet sich auch in den Armbändern der verheiraten Frauen wieder. Sie tragen weiße Armbänder aus Muscheln (Schnecken) hergestellt, und einen roten Armreif aus Plastik zum Schutz des weißen Armreifs. Ein Priester, Pater Luigi hat sich ihrer Mission in Munshigonge angenommen und vermittelt ihnen ihre eigene Kultur als Entwicklungshilfe. Er schickt verschiedene Mitglieder der Gruppe nach Indien, damit sie dort ihre Munda Stammes Genossen kennenlernen. Angesprochen auf Beziehungen zwischen ihre indischen Nachbarn und ihren eigenen Gruppen gibt es keine Auskunft. Beziehungen unterhalten sie vor allem zu den nächsten Munda Gruppen in der Gegend.

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