Pathi Char

Pathi Char

13.03.2019

Pathi Char ist eine kleine Insel, die nur eine Familie besitzt. Der Vater unseres Doktoranden an der Anthropologie der Uni Dhaka nutzt die Insel mit seinen zwei Brüdern für Büffel- und Rinderzucht. Er besitzt um die 300 Rinder und Büffel und betreibt mit ihnen ein risikoreiches Geschäft.

Sicherheit

Da die drei Brüder diese Insel allein besitzen, müssen sie sie auch allein schützen. Das kann man aber mit täglichen und nächtlichen Patrouilliengängen kaum schaffen. Also müssen von näheren Inseln Küstenwachepatrouillien immer wieder an der Insel patrouillieren, damit Piraten und Diebe nicht die Insel überfallen und Rinder u.a. stehlen. Diese Patrouillien aber müssen bestellt und bezahlt werden. Kommt doch einmal etwas weg, so werden Polizisten an Viehmärkte geschickt, damit diese Diebesgut identifizieren können.

Wer erst einmal in die Lage gerät, eine ganze Insel für sich allein zu besitzen, also Land, dass problemlos hunderte von Menschen unter sich aufteilen könnten, um von diesem Boden zu leben, der hat vorher schon ein Imperium aufgebaut und sich Macht und Einfluss in vielerlei Hinsicht gesichtert. Muhammad, Parvez Vater besitzt auf den umliegenden Inseln Bhola, Hatiya und Manpura viel Land, das er an Pächter vergibt. Auch diese Pächter müssen von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, wenn Zahlungen säumig sind usw.. Sicherheit vor Piraten, säumigen Pächtern, und Räubern garantiert aber nicht nur die enge Zusammenarbeit mit dem Staat. Es ist auch das Aufstellen einer eigenen Schutztruppe mit Schlagstöcken von Nöten, die eigene Interessen bei Pächtern durchsetzt, säumige Zahlungen eintreibt usw..

Zusammenarbeit

Neben der Sicherheit ist es aber auch die Zusammenarbeit mit umliegenden Nachbarn und temporären und mobilen Bewohnern der Inseln. So wird mobilen Fischerfamilien (boiral) der Aufenthalt auf der Insel erlaubt. Im Gegenzug verkaufen diese ihnen dann aber auch den Fisch zu lokalen Preisen.

Mobile Fischer (boiral) wohnen in ihren Booten und suchen temporäre Unterbringung und Fischereigründe, Foto: Claudius Günther, 2019

Man kann Leute nicht nur von der Insel fernhalten, sondern muss diese auch an sich binden. Man braucht Wächter für die Herden, Leute, die Heu machen, die Melken, Menschen, die sich um die Herdengesundheit kümmern, die Impfstoffe besorgen usw.. Das ist nicht mit einer kleinen Familie zu schaffen. Das erreicht man nur durch Kooperation unter Brüdern, eine starke Hand in der Gemeinschaft, in dem man verankert ist und in der man sein Besitz halten und vermehren muss.

Boiral Fischer im Gangesdelta, Bild: Claudius Günther, 2019

Erhalten und Vermehren

Als wir am Abend im Hauptquartier der Familie ankamen, saßen wir noch Stunden mit den Viehzüchtern zusammen, die Geschichten von den Kühen, Büffeln usw. erzählen konnten. Das Oberhaupt der Familie, Vater des uns begleitenden Doktoranden Parvez, konnte mit vielen Geschichten aufwarten, die sich um Kühe, ihre Kraft, ihre Eigenarten usw. drehten. Man merkte in diesen Gesprächen, dass dieses Familienoberhaupt, seine Beziehung zur Viehzucht und zur Herde nicht verloren hatte. Er gab Anweisungen den Helfern und Helfershelfern gegenüber und leitet die Geschicke der Gemeinschaft.

Mutterbüffelherde, Foto: Claudius Günther, 2019

Die Kuh- und Büffelherden auf der Insel werden in Mutterkuhherden gehalten. Sie kommen immer zum Hauptquartier der Kuhzucht, um hier das angebotene Süsswasser zu trinken. Das Gras, das sie verzehren, ist indes Gras von niederer Qualität. Es muss dem Salzwasser ebenso widerstehen, wie dem durch hohe Wasserstände immer wieder aufgetragenen Schlamm aus dem Flusswasser. Das Salz wirkt sich auch stark auf die Klauengesundheit der Tiere aus.Die Qualität des Gras’ und der Einfluss des Salz machen Behandlungen von Tieren unumgänglich. Sie werden zwar im vor hinein geimpft gegen verschiedene gelegentlich auftretende Seuchen, aber gegen mangelnde Ernährung können Vorsichtsmaßnahmen auch nichts bewirken.

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