Satkira
Claudius Günther drawing

Satkira

19.03 – 20.03.2019

Satkira ist die Distriktshauptstadt im Südwesten Bangladeshs und wurde von meinem Kollegen Hassan Al Shafie als Museum von Desastern beschrieben. Das meiste, dass man hier zu Gesicht bekomme, seien die Verheerungen des Sturms von Ayla (2009) aber auch Probleme mit Arsen im Wasser, das Problem des Waterlogging also der Vernässung von Flächen.

Kurz nachdem wir gegen Mittag in Satkhira ankamen, trafen wir unseren lokalen Führer Biswajit, ein Vertreter der Munda und angestellt an einer NGO. Er lotste uns zugleich in die ländliche Gegend der Bezirkshauptstadt, die wir mit dem lokale üblichen Dreirad (CNG) unterwegs waren. Unterwegs sahen wir Schweinenomaden und nahmen uns vor, diese am nächsten Tag zu besuchen.

Munda

Die Munda Community von Satkira wohnt in einigen Siedlungen verstreut. Eine von ihnen hat Pater Luigi aus Italien aufgebaut, ein sehr angesehener Geistlicher, von dem wir schon in Munshigong gehört hatten.

Ein Haus in der Missionsstation, Bild: Claudius Günther, 2019

Das Dorf (para) war direkt an sein einfaches Betonhaus angeschlossen und von etwa 15 Familien bewohnt. Diese hatten jeweils einen mini kleinen Garten und mini kleine Teiche, groß genug für ein paar Enten. Auch an dem Gespräch mit den Munda in diesem Dorf nahmen fast nur Frauen teil. Biswajit versuchte ein wenig erklärend zu wirken aber die Frauen diskutierten seine Ansichten nieder, vor allem, wenn es um religiöse Fragen ging.

Die Munda haben ein hinduisiertes Weltbild, das auf mehreren Säulen ruht. Einerseits ist es derWald, der ihnen ihr auskommen gibt, den sie in Form von Bäumen anbeten. Diese Baumreligion wird unterstützt durch den Glauben an Marang Buru oder Bonga, ein Bündel von Geistern, unter ihnen Ahnengeister und einem oft an das Dorf oder die Siedlung gepflanzten Hain. Eine weitere zentrale Stellung nehmen zwei Hähne ein, ein weißer und ein roter, die eine Schutzgeist-Funktion haben.

Im Dorf der Munda gibt es arsenhaltiges Wasser. Dieses Problem hat schon Pater Luigi versucht anzugehen. Und es scheint durch die Änderung des Grundwasserbrunnens eine Lösung in Sicht.

Ein anderes Munda Dorf (para) war ein paar hundert Meter weiter. Hier waren vielleicht 10 Familien organisiert. In diesem Dorf fanden wir Minuti Munda, eine Dattelpalmenflechterin. Diese flocht Matten für ihre eigene Nachbarschaft, manchmal auch zum Verkauf für andere. Eine dieser Matten wurde Eigentum des Museums und wurde auch in der Ausstellung gezeigt.

Minuti Munda, die Matrazenmacherin, Photo: Claudius Günther, 2019

Kay Puthro

Die Kay Puthro sind eine Gruppe von Schweinehirten, die ein ganzes Jahr lang mit ihren Schweinen unterwegs sind. Diese Schweine gehören ihnen aber nicht selbst, sondern einem reichen Nachbarn, der ihnen die Schweinepflege übergeben hat. Die Gruppe war in zwei Teile gespalten, einem Brüderpaar, das jeweils zwischen 10 und 13 Muttersauen in der Herde hatte.Dazu kamen jeweils drei oder vier Eber. Eine jede Sau hatte an die 5 Kinder, also waren in jeder der beiden Herden zwischen 50 und 60 Tieren.

Nomadische Schweinehirten in Satkira, Photo: Claudius Günther, 2019

Die Schweinehirten bekommen von den Bauern Flächen zugewiesen, die die Schweine durchgraben sollen. Damit haben sie dann beim Bestellen der Felder weniger Arbeit mit Wurzeln von Gräsern und anderen Wurzeln. Die Kay Puthro sind Hindus und sind in einem Dorf ansässig, von dem aus sie die Schweine in einem großen radius rotieren lassen Innerhalb eines Jahres kommen die Hirten immer regelmässig in die gleichen Gegenden. Zu Hause gibt es für die Schweine keine Ställe. Vor Ort werden die Schweine aus der Herde an Kunden im Stück verkauft, manchmal kommen auch Händler und nehmen eine ganze Ladung Schweine mit.

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