Sprechen auch Wildpflanzen in den Sprachen des globalen und chinesischen Kapitalismus?

Sprechen auch Wildpflanzen in den Sprachen des globalen und chinesischen Kapitalismus?

Zusammen mit den Mongolia & Inner Asia Studies Unit (MIASU, Universität von Cambridge) und “Sinophone Borderlands: Interaction at the Edges” Projekt (Palacky Universität, Olomouc, Tschechische Republik) organisieren wir am 25. März 2021 einen virtuellen Workshop mit virtuellen Vorträgen.

Da der globale Wettlauf um natürliche Ressourcen in vollem Gange ist und es keine Anzeichen dafür gibt, dass Chinas Appetit auf natürliche Ressourcen nachlässt, wird die Erschließung wenig bekannter potenzieller Ressourcen an abgelegenen und schwer zugänglichen Orten zu einer der wichtigsten Prioritäten für die globale Rohstoffindustrie. Eine der letzten globalen Ressourcen-Grenzen in erreichbarer Nähe zu China sind oft natürliche Umgebungen mit wenig menschlicher Zersiedlung. Diese Gebiete befinden sich an den Rändern Chinas im russländischen Teilen Sibiriens , dem Fernen Osten, der Mongolei, Kasachstan oder Kirgisistan.

In Anlehnung an das zeitgenössische anthropologische Interesse an Studien zur materiellen Kultur (objektorientierte Ontologien) zielt der Workshop darauf ab, das botanische Reich – nämlich die Pflanzen der Region (wild und kultiviert) – in den Mittelpunkt der eigenen Geschichte zu stellen. Die Idee, dass nicht-menschliche Objekte – Pflanzen – sprechen, hat eine illustre Geschichte (Holbraad 2011, Kohn 2013, Tsing 2014, Laplante 2015, Russell 2019, um nur einige zu nennen). Unser Ziel ist es, die ökonomische Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen weiter zu erforschen, wobei wir uns darauf konzentrieren, wie Pflanzen in Zeiten globaler Gesundheits- und Ernährungskrisen den Status einer Ware annehmen. Der Workshop konzentriert sich auf die vielfältigen Abhängigkeiten, die in diesen nicht-menschlichen Beziehungen involviert sind, und zwar aus der Perspektive von Personen (Sammler, Anbauer, lokale Praktiker und Nutzer, Landbesitzer, Landwirte, Zwischenhändler, Wiederverkäufer, LKW-Fahrer, Hersteller usw.), landwirtschaftlichen Unternehmen, globalen Pharmakonzernen und Staaten mit ihren Regulierungsbehörden (Zollbeamte, Verwalter natürlicher Ressourcen und der öffentlichen Gesundheit). Diese Abhängigkeiten zeigen, dass Pflanzen, die an den innerasiatischen Grenzen des globalen Kapitalismus gesammelt werden, keine trägen und passiven Akteure in globalen Assemblagen sind, sondern ein starkes Maß an materieller Handlungsfähigkeit in ihrer Beziehung zur Menschheit ausüben.

Unter Berücksichtigung des weltweit wiederbelebten Interesses an Wildpflanzen (Laplante 2015) – insbesondere in China, wo die indigene chinesische, tibetische und mongolische Medizin einen beispiellosen Anstieg der Nachfrage nach Biopharmazeutika erfährt – argumentieren wir, dass die Ressourcengrenzen, von denen sie bezogen werden, ein Verständnis der Veränderungen (sowohl ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen) erfordern, die durch menschliches und pflanzliches Handeln vor Ort in ländlichen Gemeinschaften geschaffen werden. Wir fragen also: Wie sind Pflanzen in kapitalistische Beziehungen (Land, Kapital, Arbeit) eingegangen? Wie gehen lokale Umgebungen und Systeme des gemeinsamen Zugangs zu Gemeindeland mit der Verwandlung der wilden Heilpflanzen in Ware um? Und schließlich, wie manipulieren und verändern kultivierte und wilde Pflanzen die Landschaft?

Ausgehend von solchen Ideen begrüßt der Workshop Beiträge, die die unten genannten Themen beinhalten (aber nicht darauf beschränkt sind):

— die Landschaft der Nachbarländer als Ressourcendepot sehen
— Manipulation der Landschaft durch Wild- und Kulturpflanzen
— Pflanzen, die heilen und töten
— Das ‘Jagen und Sammeln’ in postsozialistischen und kapitalistischen Ökonomien neu denken
— Den Wurzeln und Routen folgen: Mobilitäten von Wildpflanzensammlern
— Kriminalisierung des Geschäfts mit Wildpflanzen
— Von indigenen Pflanzen zur biopharmazeutischen Macht in der Post-Covid-Zeit

Vorgeschlagener Zeitplan:

Interessenten sollten ein abstract ihres Beitrages bis spätestens Sonntag, 20. März 2021, an folgende Emails schicken: ziehausstephanie@gmail.com (an Stephanie Ziehaus) oder sn444@cam.ac.uk (Sayana Namsaraeva).
Die Entscheidungen werden bis zum 23. März 2021 verschickt.

Convenors: Sayana Namsaraeva, Natalya Ryzhova und Stephanie Ziehaus

Schreibe einen Kommentar