Sylhet, Volk der Khasi, Fluss Peying,
Steinmühlen in Sylhet

Sylhet, Volk der Khasi, Fluss Peying,

16.02.2020

Aus Indien kommt ein Fluss nach Nordbangladesh geflossen, den man ab der Grenze auf der Bangladesischen Seite Peyign / Goyain nennt. Vorher heisst der Fluss Om. Eines der Besonderheiten dieses Flusses war, dass er sich direkt hinter der Grenze teilte und zwei Flussbetten aus ihm hervorgingen. Einer der Flussbetten ist der Dawki und richtet sich in westliche Richtung, das andere Flussbett heißt Peyign und hat eine östliche Richtung. Seit den 1980er Jahren ist das Flussbett des Dawki ausgetrocknet, und läuft nur noch während der Regenzeit voll, ist aber als Fluss nicht mehr Lebensader seiner Anwohner.

Dawki, der ausgetrocknete. Bild Claudius Günther, 2020

Das Flussbett des Peyign wird unterdessen als Spender von Flusssand und Flusssteinen genutzt und als Baumaterial durch das halbe Land gekarrt. Bevor Flusssteine aber als Baumaterial genutzt werden können, werden sie maschinell zermahlen, was eine hohe Staubbelastung in der gesamten Gegend verursacht. Flusssand ist ein sehr beliebtes Füllmittel, um Fundamente hoch aufzuschichten, damit sie sicher gegen die Wassermassen der Regenzeit sind.

Peying, der Fluss, der seine Flusskiesel massiv an die Bauwirtschaft verliert. Bild Claudius Günther, 2020

Das Volk der Khasi lebt an der Flussgabelung von Dawki und Peyign und ist traditioneller Waldnutzer und Brandroder in der Gegend. Die Khasi leben in Dörfern verstreut in den Wäldern und bauen vor allem Betelnusspalmen und Betelblätter an, die auch eine rituelle Bedeutung für sie haben.Wald ist in Bangladesh eine schwindende Ressource. Daher wird auch die Fläche für Brandrodungen, die übliche Art der Landwirtschaft vieler nationaler Minderheiten, immer kleiner. Das führt zu immer kürzeren Ruhezeiten für die landwirtschaftlichen Flächen. Diese liegen alle in einem bestimmten Migrationsradius der Khasi. Vor Jahrzehnten standen mehr Flächen zur Brandrodung zur Verfügung und Ruhezeiten von 8 bis 10 Jahren für Ackerflächen waren üblich. Diese hat sich auf Grund des Bevölkerungsdrucks auf zwei bis drei Jahre verkürzt, was zur Verminderung der Fruchtbarkeit des Bodens führt. Dadurch verlieren die Menschen ihr Auskommen und angestammte Lebensweisen müssen aufgegeben werden.

Ein Stelzenhaus der Khasi, Bild Claudius Günther, 2020.

Die Khasi leben in Dörfern verstreut in den Wäldern und bauen hier Stelzenhäuser, die sie in der Regenzeit gegen die Wassermassen schützen. Der Boden dieser Häuser besteht aus Bambuslatten, die man erhält, wenn grosse Bambusstämme gespalten werden. Ein leicht gewellter Unterboden entsteht.

Die meisten Khasi-Gruppen sind mittlerweile in Dörfern sesshaft, in denen Nachbarn nicht mehr ihren gemeinsamen Tagesablauf teilen, sondern diversen Berufen nachgehen, sondern diversen Berufen nachgehen, teils als Angestellte in der Baumittelindustrie oder als Arbeitnehmer anderer Berufszweige. Diejenigen, die Landwirtschaft betreiben, produzieren jetzt Betelnüsse und Betelnussblätter in Gärten, die Privatbesitz einzelner Familien geworden sind. Das Gemeinschaftsgefüge zerbricht und führt zu sozialen Unterschieden innerhalb der Khasi-Dörfer. Sie verlieren ihre Gemeinsamkeiten und damit ihre Kultur.

Die Teegärten von Sylhet, Bild: Claudius Günther, 2020

Um den Raubbau in den Flussbetten für die Baumittelindustrie zu stoppen, wurde die Region 2015 zur Ökologisch Kritischen Zone (ECA) bestimmt. Passiert ist aber bisher nichts. Da in der Gegend aber auch die berühmten Teegärten Sylhets stehen und diese sich ebenfalls durch den Staubeintrag beeinträchtigt sehen, ist vielleicht von Seiten dieser finanziell sehr mächtigen Teegartenbesitzer Gegenwind zu erwarten.

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